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Arbeitsschutz unter Pandemie-Bedingungen: Die doppelte Herausforderung

„Mehr tödliche Unfälle – Kontrolleure im Homeoffice“ – Schlagzeilen wie diese erinnern daran, dass der „normale“ Arbeitsschutz und dessen staatliche Überwachung selbst unter Pandemie-Bedingungen unbedingt aufrechterhalten werden muss [1]. Bleiben Nachlässigkeiten zunehmend unentdeckt, führt das dazu, dass am Ende jemand dafür bezahlen muss. Und zwar schlimmstenfalls mit dem Leben. 

Arbeits- und Gesundheitsschutz außer Kontrolle? 

Bei dem tragischen Beispiel handelt es sich um Missstände mit für Bauarbeiter tödlichen Folgen, auf die jüngst durch die IG BAU hingewiesen wurde. In der entsprechenden Pressemitteilung wird der IG-BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger mit den Worten zitiert: „Auch die Ämter für Arbeitsschutz haben in weiten Teilen auf Home-Office umgestellt. Baustellenkontrollen sind deshalb rapide zurückgegangen. Einige Bundesländer lassen so den Arbeitsschutz regelrecht schleifen – und das betrifft ausdrücklich auch die Corona-Prävention, also den Schutz vor einer Infektion mit dem Covid-19-Virus am Arbeitsplatz.“ [2]

Man muss nicht gleich von einer offenen Einladung zum Schludern sprechen. Schließlich wird man man zunächst einmal unterstellen dürfen, dass schwarze Schafe sehr viel seltener sind als Menschen mit Verantwortungsbewusstsein, die ihren Pflichten gewissenhaft nachkommen. Doch sollte man – und das schließt die Aufsichtsbehörden mit ein – auf längere Sicht nicht allein darauf vertrauen. Robert Feiger brachte es wie folgt auf den Punkt: „Sicherheit ist das A und O auf dem Bau: Je weniger allerdings kontrolliert wird, desto größer ist auch die Gefahr, dass der Arbeits- und Gesundheitsschutz auf die leichte Schulter genommen wird. Das müssen wir unbedingt verhindern.“

Best Practice nach Corona

Gewiss, 2020 ist für den Arbeitsschutz aufgrund der doppelten Herausforderung ein absolutes Ausnahme-Jahr. Zahlreiche bislang kaum bekannte Probleme mussten innerhalb kürzester Zeit gleichzeitig gelöst werden – weitgehend ohne Blaupause und mit der zusätzlichen Schwierigkeit, dass beispielsweise die Verfügbarkeiten und Preise von Desinfektionsmitteln und Masken Niveaus erreichten, die man ansonsten eher von Luxusgütern kennt. Demnächst, wenn die Zeiten hoffentlich wieder etwas ruhiger werden, gilt es die gemachten Erfahrungen gründlich aufzuarbeiten. Damit diese im Sinne der Best Practice Eingang finden in die Ausbildung und betriebliche Praxis des „Post-Corona-Arbeitsschutzes“.

Auch die große jährliche Arbeitsschutztagung des HDT, die 2021 zum mittlerweile 65. Mal stattfindet, beschäftigt sich unter anderem mit den Erfahrungen und Lehren aus der Pandemie. Das wird für alle mit dem Arbeitsschutz Befassten spannend, denn das HDT versammelt  traditionell Unternehmer, Fach- und Führungskräfte, Arbeitsmediziner, Sicherheitsbeauftragte sowie Betriebs- und Personalräte und hat somit einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Prozess der faktengestützten Meinungsbildung in der Wirtschaft – und darüber hinaus.

Die genauen Infos zur Arbeitsschutztagung samt Online-Anmeldung finden Interessierte unter https://www.hdt.de/arbeitsschutztagung-h020011286.

Ebenfalls empfehlenswert in dem Zusammenhang: unsere Seminare „Fachbeauftragte/r für Hygiene in allgemeinen Betrieben“ und „Betriebliches Notfallmanagement – Praxisseminar zu Umsetzungsstrategien“. Und zur Gesamtübersicht mit allen Arbeitsschutz-Seminaren und Weiterbildungen geht es hier.

Autor: Michael Graef, Chefredakteur HDT-Journal, 09.12.2020

 Quellen:

[1] https://www.abendblatt.de/wirtschaft/article231047582/Kontrolleure-im-Homeoffice-Mehr-Todesfaelle-auf-Baustellen.html

[2] https://igbau.de/Corona-Pandemie-reiszt-Luecken-ins-Kontrollnetz-Einige-Laender-lassen-Arbeits-und-Infektionsschutz-schleifen.html

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